Im Tal der Polenz

Das Polenztal ist reich an Naturschönheiten mit noch ursprünglicher Natur, voller Leben und Geschichte. Geschickt schlängelt sich die Polenz durch zwei völlig unterschiedliche Landschaften. Der vielfältige Zauber des gesamten Tals im Jahreskreislauf bleibt meist unbemerkt.

Das Tal im FrühlingFoto: M. Schäfer, Das Tal im Frühling

Das Polenztal liegt zwischen den Kleinstädten Stolpen, Neustadt in Sachsen und Hohnstein und ist eines der schönsten Seitentäler auf der rechten Elbseite in der Sächsischen Schweiz. In diesem vielfältigen Naturraum können Wanderer und Naturfreunde wunderschöne Streifzüge durch eine einzigartige Landschaft erleben.
Die Quelle der Polenz liegt im Hohwaldgebiet nördlich von Neustadt (Sachsen). Im welligen Hügelland um Neustadt windet sich die Polenz als Bächlein durch Felder und Wiesen, nimmt unterwegs einige kleine Quellbäche auf und fließt dann in beschaulicher Ruhe durch eine große Wiese. Erst wo der Wald beginnt, formt sich die Landschaft schrittweise zu einem Tal. Das ruhige Dahinplätschern der Polenz ist nun vorüber. Allerlei Hindernisse muss der Polenzbach umgehen. In kleinen Windungen setzt der Bach seinen Weg fort. Wenn die Talwände steiler werden, wird auch der Lauf des Flüsschens schneller.

Das schmale, tief im Granit eingeschnittene Tal besitzt noch etwas von seiner natürlichen Wildheit. Der Lauf des Baches durch den schmalen Wiesenstreifen ist abwechslungsreich und von Wald gesäumt. Auf Teilstrecken ist das Tal so eng, dass die steilen Uferhänge bis nahe an das Bachbett reichen. Am linken Bachufer gibt es einen Wanderweg. Er führt teilweise neben Wiesen entlang. Manchmal verläuft er am Hang und die Polenz rauscht viele Meter tiefer am Steilhang dahin.
Reich ist das obere Polenztal an bemerkenswerten Pflanzen.

Märzenbecher auf den BachwiesenFoto: T. Wehner, Märzenbecher auf den Bachwiesen

Am stets feuchten Hang mit starkem Gefälle am linken Bachufer entfaltet der winterharte Rippenfarn seine schmalen, dunkelgrünen Blattwedel auf dem Waldboden. Der Tüpfelfarn dagegen ist auf Steinblöcken oder vorspringenden Felskuppen zu finden und an den Granitfelsen ist die gelbe Schwefelflechte zu entdecken. Im zeitigen Frühjahr sind es die Märzenbecher, die viele Besucher ins Tal locken. Von Mitte März bis Anfang verwandeln unzählige Märzenbecher die feuchten Auen in ein weißes Blütenmeer.
Auch der Goldstern, ebenfalls ein Zwiebelgewächs, blüht um diese Zeit. Die Märzenbecher wachsen nicht nur auf den Wiesen, sondern auch am Bachufer und im unteren Teil der steilen Hänge im Waldgebiet, in dem auch der Seidelbast, das Leberblümchen, die vierblättrige Einbeere und andere Mischwald- oder Auenwaldpflanzen vorkommen.

Sobald die Frühlingssonne den Schnee auf den Wiesen weggeschmolzen hat, wagen sich die Märzenbecher heraus. An den Uferrändern lugen neben den blühenden Märzenbechern die knolligen Blütenknospen der Pestwurz hervor. Ihre großen rhabarberähnlichen Blätter säumen vom späten Frühjahr an bis weit in den Herbst hinein lange Strecken des Bachufers.

Sattes Grün und lichter Schatten im SommerFoto: M. Schäfer, Sattes Grün und lichter Schatten im Sommer
Ein besonderes Schauspiel bietet im Herbst die Laubfärbung der Buchen und Ahorne, die an den bis zu 100 Meter hohen Hängen von Hohnstein bis über die Heeselichtmühle hinaus vertreten sind.

Farbenspiel im HerbstFoto: M. Schäfer, Farbenspiel im Herbst

Die Steilhänge, von dem dominierenden Granitfelsen geformt, geben dem oberen Polenztal sein Aussehen. Das Tal hat die Form eines V. In der Nähe der Straßenbrücke nach Hohnstein kann man die charakteristische Form des Tals im Granit gut erkennen.

Blick vom HocksteinFoto: M. Schäfer, Blick vom Hockstein auf das Polenztal.

Zahlreiche Mühlen werden in den Chroniken an der Polenz und ihren Nebenflüssen erwähnt. Einige von ihnen bestanden bereits im 16. Jahrhundert. Etliche prägen heute noch die Landschaft des Tals, auch wenn sie ihren Betrieb im Laufe des letzten einhundert Jahre eingestellt haben.


Eine kleine Auflistung bekannter Mühlen vom Quellfluss abwärts im oberen Teil des Polenztal, ohne Garantie auf Vollständigkeit:

  • die Obermühle in Langburkersdorf, ihr Ursprung liegt in der Mitte des 16. Jahrhunderts;
  • die Kottemühle, eine Brettmühle;
  • die Hofemühle gehörte zum Rittergut Langburkersdorf;
  • die Wachemühle, eine Sägemühle in Neustadt;
  • die Stadtmühle Neustadt, seit 1721 nachgewiesen;
  • die Obermühle Polenz, 1620 gehörte sie zum Rittergut, 1721 erscheint sie unter den Namen Hofemühle;
  • die Mittelmühle Polenz, seit 1624 erwähnt, 1721 wird sie als Dorfmühle bezeichnet;
  • die Waldmühle;
  • die Knochenmühle;
  • die Bockmühle, seit 1518 erwähnt;
  • die Scheibenmühle, seit 1798 erwähnt;
  • die Heeselichtmühle, 1561 taucht die Mühle erstmals in den Chroniken auf;
  • die Russigmühle, war Mahl- und Schneidemühle

Quellen:
„Es klappern die Mühlen in und um Neustadt“ (Bearbeiter: Siegfried Rüdiger)
„Die Mühlen der Sächsischen Schweiz“ von Manfred Schober
„Im Tal der Polenz“ von Bruno Barthel
Private Sammlung Polenztal, M. Schäfer, Chronik Heeselicht

Eine Fortsetzung folgt!

Ob gemütlich oder sportlich – Wander- und Naturfreunde kommen im Tal der Polenz auf ihre Kosten.
Das Tal bietet zu jeder Jahreszeit atemberaubende Naturschauspiele.
Ob es die Märzenbecherblüte im Frühling ist, der gemütlich plätschernde Fluss an einem warmen Sommertag,
die Farben des Herbstes an den Talwänden oder die Stille im Tal in den Wintermonaten. Alles hat seinen Reiz.

Das Tal im WinterFoto: M. Schäfer, Das Tal im Winter.